Sonntag, Oktober 19, 2014

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Prolog: Dekathlon

Eine Straße im Nichts, ein Haus, ein Baum. Der Mann mit dem einen Arm tritt auf die Straße. Er hält seinen Kopf mit dem einen Hut aufrecht. Sein Gesicht mit dem einen Auge ist zur Hälfte schwarz bemalt. Der Mann mit dem einen Arm und dem Kopf mit dem einen Auge hebt seinen Arm. Dann lässt er ihn fallen. Der Mann ohne Arme senkt seinen Kopf und geht zurück in sein Haus. Die Straße ist still. Der Himmel ist rosa. Der Arm liegt ruhig. Ab und zu zuckt es in ihm. Die Vögel im Baum beobachten. Wären Sie nicht angebunden wären sie schon lange bei ihm und würden ein Mahl zu sich nehmen, ein armseliges. Der Baum hebt sich aus seinem Bett. Die Vögel steigen auf und ziehen ihn weiter in die Höhe. Der Baum gleitet weg von seinem bisherigen Platz, näher zum Haus. Im Fenster vom Haus wackelt eine Gardine. Dann ertönt ein gewaltiges Brummen und Summen. Das Haus wird angehoben, riesige Räder werden sichtbar. Das Haus bewegt sich, fort von dem Baum, fort von der Straße und dem Arm. Der Baum senkt sich wieder, die Vögel an den Leinen kehren zurück zu Ihren Stämmen. Das Haus bleibt stehen, es wird gesenkt. Die Tür geht auf. Der Mann mit jetzt wieder zwei Armen kommt heraus. Er hat wieder einen Hut auf, sein Gesicht ist jetzt zur Hälfte blau bemalt. Er winkt mit beiden Armen und Händen, die Vögel erschrecken, sie flattern aufgeregt in die Höhe, der Baum fällt um, und der Film ist aus.



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Dirty fishes at the funeral

Schlamm. Schlimm. Schlummer. Unten kehrt man wieder. Oben fliegt man wieder. In der Mitte setzt man sich, zurück auf die Bettkante. Verlogene Welt. Ganz schwindelig. Wer ruft nicht alles zurück. Wer kennt eine Antwort. Womit wurde eigentlich das Fahrzeug angetrieben? Die vielen Grenzüberschreitungen! Halt, stehenbleiben. Nicht so schnell. Bleiben Sie langsamer stehen, ich bin keine zwanzig mehr. Ich bin allein. Einsparung. Haben Sie etwas zu wollen? Hier ist keiner ohne Schaf. Wir haben alle ein Haustier. Die Schweiz hat Kühe. Wir haben Schafe. Die da hinten, die haben anders, aber lassen wir das. Es stinkt jedenfalls. Aber wir haben das Schaf und seine Wolle, und die passt prima in die Nase. Die Wolle, nicht das Schaf. Man riecht nichts mehr von den anderen. Man bleibt für sich. Es riecht nur etwas anders. Alles riecht nach Schaf, irgendwie. Hier, sehen sie. Na, die sind schon etwa länger drin. Das Schaf ist letzte Woche weggelaufen. Ich wollte nur nett sein zu ihm. Jedenfalls - was haben sie hier zu suchen? Verlaufen? Versehen? Verwundert? Ja, das passiert. Hier gibt es einige Wunder. Manche haben wir extra eingekauft, für die Touristen. Da hinten ist wieder eine, eine ganze Ladung Wunder. Wundertüte. Und weiter da hinten, der ganze Baum, wundervoll. Was tut man nicht alles. Einen schönen Tag noch. Und passen Sie auf, dass Sie nicht drauftreten, auf ein Wunder. Oder auf ein Schaf. Aber das merken Sie dann schon.

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Frisch vom Katapult, alte Schleuder

Sagen Sie jetzt nichts. Das sagt schon alles. Ich höre es, wenn jemand lügt. Die Wahrheit hat schöne Knie. Und wenn sie nicht gestorben ist, trägt sie gerne ein Kleid. Es tut mir leid um sie. Die Kernbotschaft lautet: ganz innen ist es ganz finster. Eine Welle an Erinnerung, ein Boot des Vergessens. Ein Ausschöpfen der wirklichen Momente. Mir wird ganz matt von dieser Trockenheit. Meine Zunge schwillt schon an. Jetzt einen Regenschirm, das hätte vielleicht geholfen. Am Eingang zur Unterwelt sitzt ein Hund mit großen Feueraugen. Wer mag kann sich ein wenig Kohle mitnehmen. Zum Zeichnen, zum Wärmen, oder nur zur Erinnerung. Das ist mir geblieben, denkt man, wenn man sich das Stück in den Rucksack steckt, zu den ganzen Kontoauszügen. Dann wird einem ganz schwer ums Herz. Verflogen. Mein Vogel ist mir aus dem Kopf entkommen. Nun ist da nur noch eine leere Kuppel. Und so ein Echo ist auf Dauer auch nicht schön. So ganz allein. Hallo, Echo. Stichwortgeber, mitten ins Herz. Ich denke, ich bin doch kein Abenteurer. Über kurz oder lang hauts mich doch nur hin. Elegant oder nicht. Mit Schwarmintelligenz komme ich allein nicht weiter. Die Brut braucht jemand der sie füttert. Nur Mut, Genossen. Geniessen wir die freien Tage. Unter der Scholle rumort es mächtig. Hans Dampf ist in allen Gassen. Wenn das mal gutgeht, mit solchen Schuhen. Ich glaube, das kann man so stehen lassen. Terra Cotta. Terra Nova. Laba Laba. Sendeschluss. Ich schiebe noch ein Viertelstündchen.

Donnerstag, Oktober 09, 2014

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Wie der Franz den Kranz bekam, ganz ohne Scheiss

Großvater war mächtigst erstaunt als man ihm das mit den Verwandten erklärt. Hols der Geier, soll er gerufen haben. Hols der Geier! Hat aber nicht funktioniert, wir sind alle noch hier. Stumm glänzen die Fische. Im Goldfischglas sind zwar nur noch Bonbons. Den Karpfen haben wir freigelassen. Die Drachen sind auch schon weg. Ganz zu schweigen von den Katzen, dem Nilpferd und den Terrassenfröschen. Mir fragt ja keiner. Mir geht ja immer einer. Nur wieso nicht. Und wer hat eine bessere Antwort auf diese Malaise? Malaise klingt irgendwie nach Soße. Bitte reichlich Soße. Man kennt sich ja sonst nicht. Und Schweinebraten soll knusprig werden wenn man ihn lässt. Das ist aber auch beim Sonnenbaden so. Im Fernsehen bringen sie immer so schöne Beispiele. Nennen Sie mir einen einzigen Grund, der nicht unter Wasser liegt. Selbst die Brunnen sind nicht mehr das was sie früher waren. Die Bretter sind auch nicht mehr aus Holz. Fach um Fach wird weiter geschwiegen. Ein Pferd macht noch keinen Sommer, solange es nicht aus Heu ist. Heute ist mir außerdem eines klargeworden: Brillen putzt man nicht mit den Fingernägeln. Schlagen wir uns das aus dem Kopf. Das tut aber weh. Das ist egal, solange es nicht tödlich ist. Ein wenig Blödheit hat noch niemand geschadet. Mir am allerwertesten. Fragen Sie jemand der reich ist. Wenigstens bin ich nicht taub. Sondern musikalgeschädigt. Ich kann keine Noten mehr sehen. Das wirkt alles so methal. Ich bringe den Müll runter. Aber wir wohnen im Erdgeschoss! Egal, dann bringe ich den Müll raus. Aber beeil Dich, wir werden gleich gefeuert. Du willst doch immer nur ABER sagen. Sag lieber etwas anderes. Oder, oder so. Oder vielleicht. Oder genau. Oder mach was Du willst. Das wäre mir das liebste, Liebste. Sag: was Du willst. Ich bin dann mal weg. Und der Müll, der kann warten. Hat er gelernt. Auf der Müllschule. Da waren wir alle schon einmal, und kommen wieder hin. Die Industrie braucht neues Futter. Der Herr Direktor heisst jetzt Ma-nager. Weil er so oft an schwierigen Problemen kaut. Der Herr Ma-nager ist ein guter Mensch. Weil er Plätze schafft. So ein Schaffner braucht schon ein Ziel. Sonst steht er rum und schnauft. Wie eine Lokomotive. Und in Leipzig nähen sie schon wieder Vorhänge. Wer will das sehen. Wie soll das sein. Wir sind das Volk. Wir sind die Milch im Eimer. Und oben schwimmt das Fett. Wer im Regen Fahrrad fährt wird übrigens nass. Deshalb haben wir eine Tankstelle. Gottseidank ist das Benzin nicht auch im Eimer.

Mittwoch, Oktober 08, 2014

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Eduardo macht den Mund nicht zu

Donnerstag. Es ist aber ganz still. Heimlich eine Heckenrose geschnitten. Das hat vielleicht geblutet. Habe wahrscheinlich wieder ins eigene Fleisch geschnitten. Nicht schön. Aber heiss. Etwas Warmes braucht der Mensch. Gestern war Walpurgis. Der Besen blieb aber im Haus. Bin auch so ganz aufgeregt. Habe mich wieder hingelegt. Bin wieder aufgestanden. Ein komisches Gefühl bleibt. Gebe ihm etwas zu trinken. Das komische Gefühl will nicht gehen. Phantomschmerz. Schwarze Ringe um die Augen. Beisse auf die Heckenrose und singe ein Lied. Frau Müller hört nicht zu. Soll mit dem Gestammel aufhören. Esse die Heckenrose und blute jetzt aus dem Mund. Nicht weiter schlimm. Etwas Liebe braucht der Mensch. Bestelle mir gleich zwei Sack. Rechne aber mit Lieferverzögerung. Mache mir keine Hoffnungen. Bin Realist. Lege mich wieder hin. Träume von Schwammtauchern. Bald ist Freitag. Die Gitter an den Fenstern rosten schon.

Dienstag, Oktober 07, 2014

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Schales Schmatzen, aber dezent

Raubwolke, nachts, zwischen den Zähnen noch die Wäscheleine. Unterhosen und Übersocken flattern leise im Wind. Das himmlische Kind hat schon Feierabend. Ein Bier geht noch, langsam den Hügel hinauf, zu den anderen Idioten, die freudig darauf warten, einer armen Flasche den Kopf abzuschlagen. Der Schaum der Tage fällt in einen Bottich weißer Farbe. der Priester (ganz hoch oben, auf dem Kinderstuhl)  predigt Verzicht und greift sich das nächste Hühnerbein der dünnen Ministrantin. Es kommt soweit, dass man den Glauben verliert. Die einzige Hoffnung sitzt unter der Tischplatte und reibt sich die Augen. Ein blonder Knabe, ganz in blauem Samt, schwebt sanft durch den Mittelgang, umflort von feinem Ätherflor. Alle Anwesenden und Verwesenden halten sich an den Händen und singen A Capella. Ein Glöcklein fällt die Stufen der Himmelsleiter herab, den Klöppel herausgestreckt wie eine lederne Zunge.

Draussen malen sich die Konquistadoren Schnurrbärte ins Gesicht. Ihre fetten Kater sitzen auf einem Haufen rostiger Helme und schnurren eifrig. Das Gold der untergehenden Sonne schmilzt am Horizont bedächtig vor sich hin. Ein Tempelritter kommt aus der Richtung gewankt und ruft nach seiner Nase. Niemand kümmert sich um ihn. Er setzt sich auf die ergraute Wiese und fängt an zu beten. Der Blitz, der ihn trifft ist purpurfarben. Nun schlägt die doch noch anwesende Kirchturmglocke auf dem doch noch anwesenden Kirchturm Alarm. Der Jackpot wurde geknackt. Alle Augen richten sich auf die Häuserfront, in der sich die Umrisse einer dunklen Gestalt abzeichnen. Es beginnt zu regnen, die Umrisse verwischen. Die Marihuana-Pflanze an der Ecke ist in der Zwischenzeit wieder einige Meter gewachsen. Ihr Stamm ist so stark und fest, dass die eilig angerannten Kiffer sich die Zähne ausbeissen. Ratlos sehen sie sich aus rotberänderten Augen an. Der Oberkiffer gibt jedem ein Universal-Streichholz und ein Büschel Winterstroh. Bald ziehen muffig riechende Schwaden durch die Gassen und Winkel, die Menschen und Tieren werden ganz grün vor Glück und bleiben in Ihren Häusern. Auf dem Festplatz liegen ein paar Bierleichen und stinken aus dem Mund. Die netten Katzen von nebenan haben einen Weg durch die Marihuana-Schwaden gefunden und legen sich ihnen hilfreich aufs Gesicht. Ab und an zittern ihre feinen Silberfellhaare. Winnetou kommt und verleiht Ihnen den Kastanienorden. Dann reitet er wieder in den Westen. Er scheint immun gegen die Schwaden zu sein, die sich auch langsam verziehen. Die Kiffer sind längst zu grünem Staubzerfallen, mit dem der Wind noch müssig spielt. Dann setzt er seinen Sturmhut auf, reisst dem Wetterhahn auf dem Kirchturm ein paar Blechfedern aus und stürmt davon. Die Menschen unten wachen auf und sind wieder schlecht gelaunt. Sie freuen sich.

Das hätte sich keiner zu träumen gewagt. Ausser mir, natürlich.

Montag, Oktober 06, 2014

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Dem Lebn iss gleisch alles wurschd

Sonntag nachmittag, Volkspark. Sonne. Banküberfall. Haste maalne Sigarette? Ich rauch doch gar nicht mehr. Ich paffe nicht mal mehr. Ich denke gar nicht daran. Rauchen ist stinknormal. Um so mehr, um so weniger hat man. Kippenberger. Oder was bleibt übrig. Monetenberg. Monegassen. Goldene Hundehüttendächer. Ich geh heute mal Gassi. Und die Leine, Brokat und Seidentücher. Das hat man gern. Also sich selbst, ist ja ein Spiegel, so eine Töle. Tölenspiegel. Kristallklar erscheint einem das Ich und bellt oder leckt sich am Arsch. So ein Arschloch schmeckt vielleicht, naja. Muss mehr mit Nase denken. Hat ja sonst keinen Sinn. A Popo Sinn: der Dachstuhl brennt, also vor Langeweile. Hat sich schon lange keiner mehr ausgezogen. Nur die ganzen Kartons stehen rum, die Verkleidungen, die Hüte, spitze Schuhe, die der plattgetretenen Existenz nicht mehr an den Fuss wollen. Ja, Absatz wäre auch ganz nett. Bitte. Bitte schön.


Betragen & Betrügen 2009

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