Sonntag, Juni 09, 2013

591



urblatt 13

und es ward sososommer
tausendjahre bleichgesichter, flinkster
blitzerflitzer wie von nebenbei
und stern auf stein, kleeblatt
und klebblatt auf strassenfinger
und ringsum und ringring (dudepp)
und abschaukeln schlendrian, wie gehabt
kein gramm zuviel,  in den mund gelegt bekommen
(die zähne ziehn sie nicht auch noch)
wundlaken, wandlachen, aber wir bleim uns treu
und doch, vielleicht, und so weiter, so wie nie
entfernungsmesser: sind nichtsnutze anne fleischtheke
ich spieße, du spießt, wir spießer
grob geschnitten bitte, wir haben besuch
früher waren hier noch klingelleisten
früher waren hier noch häuser
früher waren wir noch mehr
wie frischer schnee wie gestern
die wasser so tief wie nie
mein auge ein müder ringer
(achilles steht auf einem bein)
sehnsucht in jeder mauerspalte
die fahnen werden wieder mehr
(is fussball, keine angst, mann schreit)
oder ob man wasser mag, zum kaffee
mehr salz zum brot, trockenes lachen
raffen und falten, blickdichten, kein fenster, ein rahmen
ein bild von einem mann (fraun könn nich maln)
ich fürchte frieda
kennt andere geschichten

Sonntag, Mai 26, 2013

590



Wie man sich lärmet so liebt man

Anna Frohdite. An Anna Phrodite. Ann A. Perlweiss. An Anna Tüte. Wir haben den Müll nicht geschafft. Mach Du bitte sauber. Nein. Besser. Machs gut, Anna, Du. Oder doch: vergiss den Müll, Anna. Machen wir auch. An Anna, wir hören Dich nicht. Anna, andere hören auch nicht mehr. Anna, kanna ess tenn waa sein. Anna, die Gute, lässt kein Auge aus. Konsequenz ist Ihr Motto, Konsequenz ist der Bodensatz der Annakratur. Demokratur. Demokarton. Hoch die Pappen. Anna hat keine Fahne. Anna mag keinen Druck. Anna trinkt nicht. Sie schlürft. Und schürft nach dem goldenen Fließ in ihrem Morgentrank. Anne hat eine Blume. Von Anna die Blume trinkt viel. Sie trinkt morgens das Morgenlicht, und mittags säuft von Anna die Blume die Sonne in sich rein. Anna weiß um ihre Blume. Anna Phrodite kennt ihre Blume. Aber Anna ist keine Blume. Anna Phrodite ist nicht Anna Blume. Obwohl, doch. Vielleicht eine Heckenblume. Anna Frohdite ist Anna Blume wie eine Rose, wie eine Heckenrose auch eine Blume ist. In Annas Reihenhaus blüht das Licht. Und heute ist Sonntag. Noch.

Montag, Mai 20, 2013

589





 Viertel nach hier

Nur an die Wende kalebt weiter die Schiite. Und das weiss auch Frau Dr.Dr. Irre. Und lässt wieder weitertünchen. Sie will die weisse Freiheit für ihr frackiges Gefrage, Antwortn verstörn oder zerstörn oder betörn nur, weils nie die richtickn sind, und so viele. Und - auch weisse Krähen haken einander kein Auge ab. Sie strichpunkten, semikolonieren, sie frage- und ausrufezeichnen, aber abhaken - niemals. Das weiss natürlich wieder Frau Dr.Dr. Irre. Anderes Drama: die Erdumdrehung. Oh, wie ich gerade höre fällt diese heute aus, also nicht aus dem Rahm, also nicht das Ding mit die Achse, sondern das mit die Schreibse, also ächse, nei echse, ach was: lechse ich nach, die Sunge hengt mir irr ausm Gaumen, die Fraache bleibt ungestellt, na soll sie halt liegnbleibn. Ist eh schon zu spät. Noch ein Flaschn Birr, Frau Wirtsmännin. Wie ich sehe mussich selbs summ küülen Schrank, Frau Wirtsmännin hat anneres im Zinn. Wackelpeter wahrscheinlich, der kam vorher kurz um die Ecke wackelnderweise, aber klug war das nicht, weil Frau Wirtsmännin hörselfisch sich ihm gegreift und zum Haarwuschln geholt hat, und da sitzt se nu, und Wackelpeter wuschlt ihre HaaRe, und rollt seine AuGe. Waswolltich mehr? Birr, ein Flaschn Birr ausm weissn küülen Schrank. Er iss weck. Jemand, so ein Ohjemand, hat ihn punt angestrichn, und vor lauter Puntgestrichn sieht man das Wiisse im Auge seines küülen Kamaradn nich meer. Kuul bleim, ich renne solang durch die Küchn biss ich mit dem Gezähn dagegen rumplere, auwei. Na da da isser jehnfalls. Abba him brummt nich. Him hält die Klapp kanz verschämt verschloss, mit Vorhänge, und die Schlüsselsehne dasu spannt graad Frau Wirtsmännin uff, un die wird Kopf- un Haagewuschlt. Irgentwann muss auch ma gut sein. Also Sendeschluss. Ich schmeiss dem Wackelpeter ein paa Münzer in die Rollerpupille, und geh nach ruus, wo die tunkle Nackt mir einszweiatmet zu die annern Schlendrianern und Schlendrianerinnen. Sauber. Hättste nich gedacht. Wärste weiter gekomm. Im Lehm. Unn auch sons. 

Montag, Mai 13, 2013

588





Hefezopf im Abendkopf

Frau Doktor Irre ist mühsam, ist schwer hauszuhalten, wenn sie einen so trifft, auf dem Gang, auf dem man sich selbst immer wieder macht, also aufmacht, also öffnet, für die neue Zeit, für den neuen Gang, bis sie einen aufhält, die alte Zeit, mit Frau Doktor Irre, und ihren Fragen. Man geht und die Irre stellt. Man steht und die Irre fängt an zu rennen, in einem seinen Kopf, sie wirft mit Fragen, nagelt sie an die Wände, in einem seinen Kopf, Frau Doktor, die selber gar nicht Irre ist, sondern nur das Gegenteil, also der Gegenzug, der an einem vorbeiatmet wie ein wilder Wind, der einem den Kopf und den Weg verrückt, und die Fragen an der Wand verzetteln und verwicken sich wie weisse Pflanzblätter, die trudeln aber, die weissen Fragen der Frau Doktor. Danach ist man müde. Man fühlt sich ausserstande, und möchte sich legen, aber eine Lage auf einem Gang oder sogar in einem Gang ist schwierig, bei so viel Personal, und es ist so schwierig, Personal zu finden heutzutage und auch nachts, gutes sowieso. Wenn man nur eine Antwort hätte für das Rascheln im Kopf, oder auch dagegen, wenn man nur ein Mittel fände, auch auf dem Gang, aber da liegt nicht nur niemand, da liegt auch nichts, nur an den Wänden klebt manchmal die Scheiße. Aber das ist woanders nicht anders.

Mittwoch, Mai 01, 2013

587

 
 Amm eesten iss di Mai noch nackt

Gommt ein Mann sum Aatzt und sacht: s feelt mi was. Sacht die Aatzt: mir ooch, aba deswechn rennich nich gleich su die Aatznei. Aussa dem: wass feelt di denn? Sacht di Mann: min Aam, ich hav nur noch een Aam. Sacht die Aatzt: abba warum? Sacht di Mann: wegn di Vasicharung. Ich hann gedenkt, ich hann gedacht, undann hann ich gemacht. Beil raus und ab, di Aam. Nu fehlt mi abba was, hann ichnich dran gedenkt, beim vieln Denkn. Un meine Fragn iss: kriecht ma deen jetz wieda drann, den Aam? Ich hann n dabei, den Aam. Sacht die Aatzt, abba wi lang is dassn heer, min Jott? Sacht die Mann: zwee Wochn, ich hatt ja keene Zit, ich musst doch aabeetn. Sacht die die Aatzt: mit eem Aam? Sacht die Mann: nu jo, ich hab doch blooß een Schalta, da tu ich schaltn. Abba der annere Aam, der wo wech iss, der hat mi imma schmerzn gmacht, wo er doch eingtlich nimma da waa. Aussadem hat die Vasicharung ooch mit dem Gopp gewackklt. Di gloom nich, dass dass een Umfall waa, die denkn ich hann mir selba abgemacht. Son Ding. Also nu - machnsen wieda dran? Ich hann n ooch dabei, den Aam. Riecht bissl, abba sonst iss noch gans in Schuss. Obwoll - bissl Faab hat he gekriecht. Mach ma was? Sacht die Aatzt: das geet nu nix meer, die Aam is oll. Abba son Kunsaam könn wa machn, so mit Dreegeleng. Un mit eim extra Kriff für einn Schalta. Wär das wass? Ich mach di dass mit die Vasicharung. Schreib da din Nam, und nexte Wochn schraum mern dran, den Aam. Wa blossn Witss. Wird nich geschraubt. Wird angenäht. Un fest valötet. Das hellt!

Sonntag, April 21, 2013

586




Memory, inflatibile


Die Kamera ist keine Wunderwaffe. Sag ich immer. Sag ich mir immer. Sag ich nie zu anderen. Auch nicht zu den Kameraden. Ich red nicht viel. Ich mach mir lieber ein Bild. Bunt soll es sein, das Bild. Grau wird es meistens, irgendeine Farbe läuft mir immer sauig in das Bild, so quer, so wie Gewehr, von rechts nach links, ist sowieso egal. Man macht es nicht, es macht einen. Es macht mit einem, was es will. Das Bild, das Leben, der Versicherungsvertreter. Der jetzt Vermögensberater heisst, und einen fragt, ob man ihm denn nicht vertrauen tut oder täte, oder täteräte. Beleidigt ist er dann, wegen dem Witz, wie früher die Vertreter. Oder noch früher. Man war ja auch mal jung, und dann ist es auch immer so spät geworden, so häufig, eigentlich zu spät, eigentlich viel zu spät, und was das heissen soll wissen auch nur die wenigsten, wenigstens die, die mit dem einen Fuss immer aus dem Bett, nur falls man mal schnell mal raus muss, falls es ringt oder schellt an der Tür, und kein Narr weit und breit, und nur der Türschlitz ist schmal, na wenigstens passt der Wind durch, ist auch nur Luft, auch wenn sie zieht. Mit Leidenschaft. Ja, vielleicht auch das, man muss nur tief genug graben, durch den Schutt, andere würden Müll sagen, wieder andere würden gar nichts machen, sondern sich lieber ein Bild. Schwarz. Oder Weiß. Oders, also oder anders, auf keinen Fall wie gehabt, wir hatten ja nie was so weit, immer nur gewollt, aber das sehr schön. Man muss eben mit dem was man hat. Andere tun das auch, und nicht so schön. Das wär ja noch was. Zumindest Zement. Sagt unser Nachbar, aber der mag auch Sofia Loren, und das F in seiner Stimme überschlägt sich immer vor Vorfreude, weil sie auf seinem Sofa sitzen soll, die Sofia, wenn sie kommt und ihre Mandelaugen nach ihm ausstielt, ihrem Busenfreund, der nur auf sie wartet auf seinem Sofa, aber das schon lang, sehr lang. Und sehr schön. Aber man sieht ihn nicht mehr so sehr oft, den Nachbar, nur sein F überschlägt sich noch manchmal im Treppenhaus, dem Affenhaus der Moderne, wenn die ganzen Gören und ihre halben Eltern alles auf einmal nehmen, um nur, also bloss schnell weg von hier. Man kann es verstehen, das F, wenn es sich dann überschlägt. So wird Sofia nie, und Sofa wird auch nicht schöner, oder besser. Wie die Zeit. Wie die Zeit vergeht. Als ob sie sich verirrt hätte, in dieses Haus. Wie das F. Wie Sofia. Wie der Witz. Wie das Bild. Wie die Farbe. Nur die war öfter zu Besuch. Früher. Wenn man so will.

Montag, April 15, 2013

585


Fertigdose auf Gebüsch
 

Sonntach, Brinzbrenzlaua Berch, Balin. Keine Grubennasen verirrn sich so frühühü ins glitzernde Gleissschmeissen des Sonnnscheinwerferlichts, bis auf die Strassnstressa, wenns mal wieder nit rassant eunuch sein kann, ey Alter, machema Platz, aber zack, ja zacki, du Stirnschnuppi uf Asfalt, oder heisst es Einphalt, oder doch wieder bloß Pinsel, weil Papi dirn Audi geliehn hat, damit du ihm Wassa reichn kannst ausm kofferraumklotz wahnsinnsbreiten Strassnkreuza, den der sich eingtlich auch nich leisten kann, und fahrn schomma gar nich, wern ja imma klotziga, die BlechhaubenhaufenBlinkeBlinker, viel zu viel Gepumpe und GEWUMPE, viel zu matsch Wintakorn mit die Muttamilch eingespritzt, dicke Hose überall, bloß die Straßn machn da nich mit, zuviel Gequatsche und Gequetsche, ausm Weg, ich bin ein Leistn- nee ein Hoffnungsträger (imma langsam, ey!), ein Offenträga, das sacht mann so wenn eim die Wampe den erstn Knopf absprengt, mann, heut musste protzn, heutzutage, sonst fangn die an zu denkn, die andern, hast gesehn, mann kann kannnich mehr, hat seine Karre schon abgehm müssn, nüscht mehr los mit dem, ja mann muss protzn, der Kriech is schließlich nich mehr so gail, die Tage.  Statt den Kamaradn falln jetzt ehm die Haare, un das Licht wechst aufm Kopp, wo früha die Krohn war, da is jetzt nur noch der lichte Schein unter die Kapp. Muss mann ehm wieder mit die Karosse protzn, kuckma meine Ferde!

(Ohne Schawengel läuft aber nicht mehr viel, alta!)

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